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„Männer suchen Schmuck anders aus als Frauen“ | Jury-Mitglied und Ex-Bunte-Chefin Patricia Riekel über ihre Art zu bewerten

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Jury-Mitglied und Ex-Bunte-Chefin Patricia Riekel über ihre Art zu bewerten

Sie haben als BUNTE-Chefredakteurin viele Jahre über Schicksale, Dramen und Ereignisse aus der Promi-Welt berichtet. Wäre die INHORGENTA eine Berühmtheit, wie würden Sie sie beschreiben? 

Sie wäre eine facettenreiche Persönlichkeit mit weiblichen und männlichen Eigenschaften: verführerisch, elegant, luxuriös aber auch traditionsbewusst. Sie weiß um ihre inneren Werte.

Seit Mitte 2017 arbeiten Sie nicht mehr als BUNTE-Herausgeberin. Wie geht es Ihnen in Freiheit?

Gut! Ich schreibe mehr als je zuvor, arbeite nebenbei als Beraterin und kann endlich einmal einen Gedanken zu Ende denken. Wenn man 20 Jahre lang eine Wochenzeitschrift geleitet hat, denkt man pausenlos über Themen, Ereignisse und Menschen nach. Immer im Hinblick darauf, ob etwas für eine Story taugt. Ich war ein Nachrichtenjunkie. Wenn man so einen Kreislauf verlässt, betrachtet man nur noch staunend und mit Ruhe die schöne Welt da draußen. Ich muss nicht mehr alles filtern, bewerten oder analysieren. Das ist wahnsinnig befreiend.

Was lieben Sie an Schmuck?

Dass er wahrhaftig ist. Ich würde mir nie eine unechte Goldkette umhängen. Gern mal eine bunte Hippiekette, aber ich würde nie etwas vortäuschen, was nicht echt ist.

Welchen Schmuck tragen Sie am liebsten?

Ich liebe lange Ketten und tolle Uhren. Als Chefredakteurin habe ich den feinsten Schmuck der Welt gesehen, große Colliers auf Galas, wunderbare Ohrringe bei Premieren. Ich persönlich mag außergewöhnliche Ketten und trage immer nur maximal zwei Schmuckstücke gleichzeitig.

An welche Stücke haben Sie besondere Erinnerungen?

Vor 20 Jahren war ich in einem Kaufhaus in New York. Da gab es eine außergewöhnlich tolle Schmuckabteilung. Ich entdeckte eine Kette mit einem Herzen aus Gold, das mit einem feinen, grünen Smaragd versehen war. Die war wahnsinnig schön. Als ich wieder in Deutschland war, erwähnte ich sie nur beiläufig vor meinem Mann und vergaß sie wieder. Meinem Mann liegt nicht so viel an Schmuck. Aber er setzte alle Hebel in Bewegung, um sie mir zu besorgen. Weihnachten lag sie unterm Christbaum. Wahnsinn! Die bedeutet mir natürlich ganz viel.

Erst loben, dann kritisieren, nie herunterputzen – in der Redaktion haben Sie bei Kritik immer die Feedbackregeln beachtet. Wie werden Sie als Jurymitglied sein?

Nicht anders. Ob ich einen Text lese oder mir Schmuck anschaue ­ - der erste Eindruck zählt. Ich schaue, ob es ein klassisches Stück ist, ob es mutig entworfen wurde, ob es ungewohnt oder experimentell ist. Was will das Schmuckstück aussagen? Dann schaue ich wie bei einem Text, ob die Fakten stimmen. Beim Schmuck ist es die Verarbeitung. Wie gut ist die Qualität, ist es tragbar? Mit manchen Ketten oder Ringen bleibt man hängen, oder sie reiben am Stoff. Schmuck ist Aussage, Fantasie und Projektion, aber ich muss ihn auch tragen können.

Zum INHORGENTA AWARD 2018: Das Verhältnis Frauen zu Männern ist in der Jury fast ausgewogen. Glauben Sie, dass Frauen anders beurteilen als Männer?

Ja sicher! Männer suchen Schmuck grundsätzlich anders aus als Frauen. Ich bin gespannt wie ein Ring, ein Diamant oder eine Uhr aus den unterschiedlichen Blickwinkeln in der Jury betrachtet wird. Ich frage mich, an wen die anderen Jurymitglieder denken, wenn sie es beurteilen. Betrachten sie nur die Qualität oder auch das Gesamtkonzept? Haben sie eine Person im Kopf, an der sie es sich vorstellen? Das frage ich dann auch mal direkt.

Glauben Sie, dass sich heute weniger Frauen teuren Schmuck leisten als vor zehn oder zwanzig Jahren?

Im Gegenteil, ich glaube es sind mehr als früher. Ich kenne viele Frauen, die viel Geld verdienen und sich etwas Schönes gönnen. Als ich die BUNTE übernommen habe, schenkte ich mir erst einmal vor lauter Freude eine Rolex. Heute ist es normal, dass Frauen nicht erst auf das Weihnachtsgeschenk vom Ehemann warten müssen. Früher war das nicht so. 1948 titelte die BUNTE noch: „Sind Frauen Rabenmütter, wenn sie trotz Kindern arbeiten gehen?“ So denken Frauen heute nicht mehr! Vereinbarkeit ist die Norm und das hat Frauen selbstbewusster gemacht. Ihr Selbstwertgefühl unterstreichen viele, in dem sie sich äußerlich verschönern – mit Schmuck oder Mode oder beidem...

Worauf freuen Sie sich am meisten bei der INHORGENTA?

Auf die Atmosphäre. Menschen haben dieses Urbedürfnis zu zeigen, wer sie sind, was sie haben, was sie von anderen abhebt und zum Leuchten bringt. Ich freue mich auf die ganzen Kostbarkeiten. Ein bisschen Sorge habe ich nur, dass die Begehrlichkeit in mir aufsteigt, wenn ich all die schönen Dinge sehe...

Was bedeutet Ihnen die Tatsache, dass die INHORGENTA in München stattfindet?

Sehr viel – und das nicht nur, weil München meine Heimatstadt ist. Schönheit, Status, Luxus und Behaglichkeit gehörten hier schon immer zusammen. Ich könnte mir Hamburg oder Berlin nicht für so eine Messe vorstellen, auch nicht Düsseldorf, das ist nicht international genug. Kein Standort wäre also besser.


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